Dienstag, 29. Juli 2008

Alltagsleben in Batumi

Wasserversorgung: Es ist üblich, größere und große Wasserreserven im Haus zu haben. In unserer Wohnung haben wir viele ehemalige 8-Liter Trinkwasserkanister sowie einen großen Eimer, die mit Leitungswasser gefüllt sind. Wasser gibt es von 9 bis ca. 14 Uhr sowie von 19 Uhr bis 1 Uhr nachts. In der Zwischenzeit - beim Händewaschen, Abwaschen, Kochen etc - bedient man sich der Vorräte. Sehr selten passiert es, dass es zwei oder drei Tage kein Wasser gibt. Aber es kommt vor und daher ist das Auffüllen der Kanister eine wichtige tägliche Aufgabe.

Es ist interessant zu sehen, wie oft und wie viel Wasser man eigentlich benötigt. In Deutschland nutzen wir Leitungswasser so selbstverständlich, man ist sich dessen gar nicht bewusst, dass es auch anders sein kann bzw. wie es denn wäre wenn es anders wäre. Ich realisiere das jetzt und finde es ganz spannend. Tagsüber muss ich für noch so kleine Dinge Wasser aus dem Kanister nehmen: fürs Händewaschen, zum Kaffee kochen, zum Tisch mit feuchtem Lappen abwischen, Tomate waschen usw. Zum Wäschewaschen erhitze ich das Wasser auf dem Herd, bevor ich meine Wäsche in der Schüssel per Hand waschen kann.

Ab und zu, vor allem dann, wenn es in Strömen regnet, hat die Batumsche Wasserversorgung Schwierigkeiten. Auch das haben wir schon erlebt, da heißt es dann mit Hilfe des Kanisters duschen und Haare waschen, da die abendliche und morgendliche Wasserversorgung ausbleiben.

Regengüsse: Ja, die plötzlichen Regenfälle. Die Straßen werden zu Bächen, die Autos schlängeln sich langsam durch die Straßen, die Menschen suchen Unterschlupf in Läden und unter Balkonen. Der mutige oder eilige Fußgänger läuft größere Umwege, um wenigstens mit den Füßen halbwegs trockene Stellen und Übergänge zu erwischen, damit er die teilweise tiefen und vor allem dreckigen Bäche auf den Straßen umgehen kann.

Strom: Strom hatten wir bisher immer, heute aber flackert z.B. das Licht, der Stromfluss erfolgt also nicht sehr kontinuierlich. „Besonders gut für die Laptops…“ meint Kurt dazu.

Belebte Straßen: Die Straßen in Batumi sind sehr belebt. Überall sind Menschen auf der Straße, Leute sitzen vor ihren Läden, alte Frauen und Männer sitzen auf dem Gehweg und verkaufen Gemüse, Obst und Blumen aus ihren Gärten oder Zeitungen oder Sonnenblumenkerne zum Knabbern oder kleine Haushaltsutensilien. Ich kaufe aller 2 bzw. 3 Tage einen Blumenstrauß bei einer alten Frau, da ich den Eindruck habe und inzwischen auch weiß, dass sie das Geld wirklich brauchen. Zudem sind sie sehr nett und wir unterhalten uns mit meinen Brocken georgisch und russisch sowie mit Händen und Füßen.

Selbst nachts steht die Stadt nicht still. Batumi hat laut Aussage von Zviad, unserem Chef, erst seit wenigen Jahren Elektrizität, elektrische Straßenlampen etc. (Hier muss ich noch mal nachfragen, das klingt gerade wirklich abenteuerlich). Nachts sind viele Gebäude illuminiert, die angestrahlte Springbrunnenatmosphäre wird zusätzlich mit Beethoven und Schubert untermalt, selbst Bäume im Park leuchten blau und gelb & das Riesenrad blinkt rot und gelb weit über die Stadt hinaus. Die Menschen flanieren auf dem Strandboulevard, der übrigens in den 20er Jahren von einem deutschen & einem französischen Gartenarchitekten angelegt wurde.

Läden & Märkte: Überall in der Stadt, in jeder Straße gibt es mehrere kleine Läden. Bei uns Tante Emma Laden genannt und eher eine Seltenheit, sind sie hier normales Alltagsbild. Die kleinen Lädchen haben sehr angenehme Öffnungszeiten. Sie öffnen morgens gegen 9 Uhr und schließen abends gegen 23 Uhr, manche erst gegen Mitternacht.

Es gibt (noch) keine großen Supermärkte. Der erste Supermarkt hat letzte Woche eröffnet, mit Gratisverkostung und musikalischem Tamtam. Viele Leute standen davor und warteten gespannt auf das Eröffnungssignal (während drinnen noch die letzten Bauarbeiten beendet wurden). Claire und ich, die das spezielle Flair der Stadt mit den kleinen Lädchen genießen, sahen uns an und dachten gemeinschaftlich: Voilà, das ist der Anfang vom Ende. Der Verdrängungsprozess der kleinen Läden beginnt.

Wir haben bereits 4 Märkte gefunden, auf denen wir unser Obst und Gemüse einkaufen gehen. Die Märkte sind bunt, auch hier viele alte Menschen, die ihre Gartenernte verkaufen. Man bekommt beispielsweise 1 Kilo Birnen für 50 Cent, 1 Kilo Auberginen für 40 Cent, usw. Da macht einkaufen Spaß.

Alltagsbild kleine Läden in BatumiMarktstand mit Salome & mir
klatschnass...

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Georgien - Georgia (July - October 2008)

Seit einigen Tagen bin ich nun in Georgien, in Batumi, direkt am Schwarzen Meer. Hier werde ich gemeinsam mit meiner französischen Projektpartnerin Claire in einer Tourismusorganisation arbeiten. Dieses Projekt findet im Rahmen von GLEN statt (die deutsche Ausführungsorganisation ist ASA) und wird u.a. vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung finanziert.

Wo ist Georgien?

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